Kollektives Gestalten und Erleben

Konzeptlos glücklich! So könnte ich meine Erlebnisse im Spielraum treffend beschreiben. Die Anlässe entstehen so zusagen in sich selbst und durch die Mitwirkung des, respektive der Anwesenden.

Am 5. September 26 lud das Kollektiv Spielraum 312 zum Tanz und Spiel ein. Zu einer Werkschau, an der wir zeigten, was in unserem Raum erlebt werden kann. Die Art, wie sich unsere Gruppe auf den Anlass vorbereitete war sinnlich. Wir trafen uns im Garten, assen Trauben und Mitgebrachtes. Unsere Herangehensweise einer Stimmung des Seins und gemeinsam Teilens würde ich als unorganisert, chaotisch, beitragend und bestimmt bezeichnen, wesentlichen Entschlüsse des Vorbereitungsanlasses entstanden: Wir laden gemeinsam ein. Jeder bringt etwas mit und wir teilen im Raum unsere Angebote, parallel und hintereinander. Wir lassen das Program entstehen und setzen einen zeitlichen Rahmen.

In einem Artikel von Francis Heylighen stiess ich auf den Begriff «Stigmergy». Eine faszinierende Beschreibung, wie in Gemeinschaften und Organismen kommunizieren und im Zusammenwirken Kunstwerke entstehen können. Der eher schwerfällige Begriff wird von ihm als Wirkfaktor in Geschwisterschaft zu Gravitation, Feedback, Energie, natürliche Selektion u.a. eingeordnet und steht für koordinative Prozesse und insbesondere um den Informationsfluss innerhalb von Projekten und deren Entwicklungsprozessse.

Zurück zu unserer Werkschau – es wurde offensichtlich, wie sich unsere Ideen im Spielraum eigenständig entwickeln. Stigmergie speichert die die Informationen in der Umgebung, bei uns also im gemeinsamen «Spielraum» und nicht in den Köpfen und individuellen Konzepten der Mitwirkenden. Im Kollektiv handeln wir im gleichen Medium des Teilens, des Anregens und des Entwickelns. Wir kokreieren gemeinsam und alle Beteiligten sind auf gleicher Ebene ins Erlebnis-Medium eingeladen und wirken von Beginn an mit. Jede Interaktion hinterlässt Spuren zum Beispiel in Form sinnflicher Eindrücke und leitet über dieses Signal eine nächste Handlung ein.

Heylighen vergleicht die Art des Schaffens mit dem komplexen Zusammenwirken von Termiten die in ihren Bauten klimatische, statische und funktionale Ergebnisse erzielen, die effizient und einwandfrei funktionieren.

Unsere Werke im Spielraum sind kunst- und erlebnisorientiert, basieren auf künsterlischen und therapeutischen Erfahrungs- und Praxishintergründen und beeinflussen sich gegenseitig. Es entsteht eine offene, künstlerischen Haltung, etwas Momentanes Gemeinschaftliches zu schaffen. Wir halten digital wenig fest und vertrauen auf die Spuren, die wir in und um uns finden und bei nächsten Begegnungen wieder neu spüren und aktivieren können. Das Spiel als Medium die Momente des Entstehen ergeben sich und verankern oder verklingen im Raum als Erinnerung und Energie. Wir teilen Vertrautes und improvisieren.

Quelle:
The Self-Organisation Univers – Francis Heylighen
https://francisheylighen.substack.com/p/stigmergy-the-most-important-concept?utm_source=share&utm_medium=android&r=1uz4sk

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